Argumente gegen Krypto

Hinweis: Dieser Text ist eine deutsche Übersetzung des englischen Originaltextes »The Case Against Crypto« von Stephen Diehl. Die Idee den Text ins Deutsche zu übersetzen enstand durch seinen Tweet.


Stephen Diehl:

Aktuell verbringe ich große Teile meiner Freizeit mit Telefonaten, in denen ich Menschen außerhalb der Softwarebranche erklären muss, warum Kryptowährungen eine so zersetzende Kraft sind und warum ich eine strenge Regulierung befürworte, um die weitere Ausbreitung dieser finanziell zerstörerischen Unternehmen auf den Märkten zu verhindern. Bei jedem Anruf muss ich meine grundlegenden Argumente inklusive dem Basiswissen der Geldtheorie, der amerikanischen Geschichte und den technischen Grenzen wiederholen. Deshalb werde ich die Hauptargumente zusammenfassen, damit ich diese als Referenz habe und mich nicht den ganzen Tag wiederholen muss.

#1. Die Technologie löst kein reelles Problem.

Das Krypto-Projekt hatte 13 Jahre Zeit, um ein Problem zu finden, das es lösen kann. Es hat kein einziges gefunden.

Die reale Welt hat grundlegende Einschränkungen, welche die Technologie unbrauchbar macht. Sobald sie mit der Außenwelt interagieren muss verschwinden die Vorteile der Dezentralisierung und die Lösungen enden darin einfach langsamere und schlechtere Versionen von bereits existierenden Prozessen und Strukturen nachzubilden.

In den letzten dreizehn Jahren haben diese Projekte nichts anderes erreicht, als Menschen zu betrügen, indem sie künstliche Vermögensblasen für Glücksspiele und die Zerstörung der Umwelt geschaffen haben.

Der Skalierbarkeit von Blockchain-Technologien sind grundlegende Grenzen gesetzt, und für jeden Anwendungsfall ist eine andere, einfachere Technologie besser geeignet, mit Ausnahme von Kriminalität, Ransomware, extralegalen Glücksspielen und der Umgehung von Sanktionen, die allesamt der Gesellschaft schaden statt ihr zur dienen. Insgesamt hat die Technologie keine greifbaren Vorteile gegenüber der Verwendung vertrauenswürdiger Institutionen und zentralisierter Datenbanken.

Kryptomünzen sind einfach nur spekulative Glücksspielprodukte, die der Welt eine ganze Reihe negativer externer Effekte bescheren. Sie führen eine künstliche Volatilität in die Märkte ein, die mit keiner wirtschaftlichen Aktivität verbunden ist, und verursachen enorme Opportunitätskosten, bei denen die einzige Investitionsmöglichkeit in einer wirtschaftlich korrosiven künstlichen Absicherung gegen alle produktiven Vermögenswerte besteht. Das ist keine Innovation, das ist technischer Rückschritt und ein Spiel mit der ökologischen Katastrophe in einer Zeit, in der wir es uns nicht leisten können, das Schicksal unseres Planeten von Pyramidensystemen und Hunde-Memes abhängig zu machen.

#2. Sogenannte „Kryptowährungen“ sind eigentlich keine Währungen und können die Funktion des Geldes nicht erfüllen.

Geld existiert um Waren und Dienstleistungen in einer Wirtschaft auszutauschen. Es wird geschaffen, um den Austausch von Waren zu vermitteln, damit wir eine gemeinsame Rechnungseinheit haben, mit der wir handeln können, anstatt Waren direkt zu tauschen. Geld muss einen verlässlichen und stabilen Wert im Vergleich zu einem inländischen Warenkorb gängiger Waren und Dienstleistungen haben. Um dies zu erreichen, muss das Geldangebot von einer Währungsbehörde kontrolliert werden, die das Angebot entsprechend den Marktschwankungen ausweiten oder verringern kann.

Eine dynamische Geldmenge ist eine grundlegende Notwendigkeit für eine moderne Wirtschaft.

Eine geringe Inflation schreckt vom Horten ab und schafft Anreize für Investitionen in produktive Unternehmen, die die Wirtschaft wachsen lassen und Wohlstand schaffen. Eine statische, feste Geldmenge hingegen fördert das Horten und ist in Krisenzeiten unflexibel, da sie kein Eingreifen zulässt. Volkswirtschaften stabilisieren sich nicht von selbst und erfordern ein aktives Eingreifen zur Eindämmung von Rezessionen.

In einem Umfeld, in dem sich mehrere Währungen vermischen können, besteht ein negativer Anreiz zur Herstellung von Falschgeld oder zur Schaffung von Parallelwährungen. Gefälschte Währungen verwässern das Vertrauen in den Handel, schaffen ein Gegenparteirisiko und sind ein Katalysator für Kriminalität. Parallelwährungen führen zu Wechselkursrisiken und schaffen künstliche Handelsbarrieren. Die optimale Lösung für jede Wirtschaftsregion ist daher eine einheitliche Währung mit einer einzigen Behörde, die das Angebot kontrolliert, vor Fälschungen schützt und Handelshemmnisse abbaut, indem sie andere Systeme durch Schaffung von Nachfrage abschreckt. Die einzige Instanz, die diese Aufgabe erfüllen kann, ist der Staat. Er schafft die Nachfrage nach einer einheitlichen Währung, indem er von den Bürgern verlangt, ihre Verpflichtungen gegenüber dem Staat in dieser Währung zu tilgen.

Eine einheitliche Währung und eine einheitliche Währungsbehörde sind die unvermeidliche Rolle des Staates, da er das alleinige Monopol auf Besteuerung und Recht hat.

Historisch gesehen basierte warenbasiertes Geld (so genanntes „hartes Geld“) auf der Rücklage von Metallen und wurde in großem Maße im 18. und 19. Jahrhundert genutzt. Anstatt die Macht einer demokratischen Kontrolle zu unterstellen, wurde sie stattdessen nicht gewählten internationalen Unternehmen übertragen, die Metalle beschaffen, fördern und prägen konnten. Unter einem Goldstandard waren Inflation, Wachstum und das Finanzsystem aufgrund von Handelsungleichgewichten weniger stabil. Dies führte zu häufigen Rezessionen, größeren Schwankungen der Verbraucherpreise und ständigen Bankenkrisen. Wenn diese Ereignisse in einem Teil der Welt auftraten, wurde die Notlage schneller und vollständiger auf andere Teile der Welt übertragen und führte so zu einer politisch instabilen, ungleichen und gewalttätigeren Welt. Wir haben dies im Goldenen Zeitalter der 1870er bis 1920er Jahre erlebt, als das harte Geld eine Welt mit massiven Wohlstandsunterschieden schuf, was letztlich zu den spekulativen Marktmanien führte, die die Große Depression auslösten. Die Vereinigten Staaten werteten ihre Währung schließlich mit der Politik des New Deal ab, wodurch sich die Abhängigkeit des Dollars vom Gold langsam auflöste und eine Ära des Wirtschaftswachstums und des Wohlstands begann. In Europa hingegen wurde diese korrigierende Politik weitgehend unterlassen, und in dieser Zeit kam es zum Aufstieg populistischer starker Männerfiguren und Faschisten, die versprachen, die Ungleichheit des Wohlstands des einfachen Mannes zu korrigieren, und den Kontinent schließlich in die gewalttätigste Phase der Menschheitsgeschichte stürzten.

Geld wird immer untrennbar mit Politik verbunden sein. So sehr einige Libertäre auch glauben wollen, dass der Wert durch eine gottgegebene, vom Willen der Menschen unabhängige Ordnung bestimmt werden sollte, können sie den logischen und historischen Widersprüchen, die dieser Idee zugrunde liegen, nicht entkommen.

Die Idee einer fixen Geldmenge von deflationären Münzen wie Bitcoin missversteht die grundlegenden Eigenschaften des Fiat-Gelds als Fehler, obwohl sie in Wirklichkeit wichtige Funktionen sind.

Das Krypto-Projekt enthält unauflösbare logische und wirtschaftliche Widersprüche in seinem erklärten Ziel. Staatlich kontrolliertes Geld bettet die Kontrolle und Verantwortlichkeit für fiskalische Stabilität und Markteingriffe in den demokratischen Prozess ein, wo sie zwangsläufig und zu Recht hingehört.

#3. Die Geschichte des privaten Geldes ist eine Geschichte von sich wiederholenden Katastrophen, die das öffentliche Vertrauen zerstörten.

Selbst wenn wir die Irrtümer ignorieren und annehmen, dass Kryptowährungen als Geld funktionieren könnten – was sie nicht können – stoßen wir auf die harte Einschränkung, dass jedes Mal, wenn privates Geld in der Geschichte versucht wurde, es zu einer Form von Unternehmensfeudalismus zusammen mit einem toxischen Umfeld geführt hat, der Betrug fördert und den Handel abschreckt. Die Lehren aus der Geschichte sind in dieser Frage ziemlich klar, denn die Vereinigten Staaten liebäugelten in der Zeit des Free Banking von 1837 bis 1863 mit einem solchen System. In dieser Zeit gab es Hunderte von privaten Einrichtungen, die ihre eigenen privaten Banknoten ausgaben, die angeblich eins zu eins mit Staatsanleihen erzeugt wurden.

Das Problem dieser so genannten Wildcat-Banken bestand darin, dass ihre Reserven nicht immer nachweislich gedeckt waren und es daher zu einem Ansturm auf die Banken kam, bei dem die Kunden keinen Zugang mehr zu ihrem Geld bekamen. Das zweite Problem besteht darin, dass im Gegensatz zu öffentlichem Geld, das allgemein zum Nennwert akzeptiert wird, die Banknoten der Wildcats einen massiven Sekundärmarkt hatten, auf dem die Noten verschiedener Banken nicht zum Nennwert gehandelt wurden. Ein Dollarschein einer Bank in Wyoming konnte im Vergleich zu einem Schein einer Bank in Nebraska 0,60 Dollar wert sein, und diese Werte schwankten je nach Marktlage. Für Händler machte dies das Geschäft ziemlich kompliziert, da sie gezwungen waren, Waren in einem Satz von Scheinen zu kaufen, Scheine von Kunden anzunehmen und Wechselgeld in einem anderen Satz von Scheinen herauszugeben. Für Bankiers, die Zugang zu nicht-öffentlichen Informationen hatten und diese Scheine für ihre eigenen Gewinne missbrauchen konnten, war dies großartig, aber für den Durchschnittsbürger war es ein furchtbar räuberisches und ausbeuterisches System.

Private Banknoten sind eine unnötig komplizierte, risikoreiche und ineffiziente Art, eine Wirtschaft zu führen, und das wurde durch das Nationalbankgesetz von 1863 behoben. Sie waren eine wirklich schlechte Idee.

Die Geschichte neigt dazu, sich auf sich selbst zu reimen, und heute liebäugeln wir mit denselben schlechten Ideen der Vergangenheit. Nur dass wir jetzt statt der wilden Banken wilde Technologieplattformen mit den gleichen Ambitionen haben. Sie wollen nicht mit öffentlichen Geldern arbeiten, sondern selbst private Gelder erzeugen. Eine vollständig vertikal integrierte Form von Unternehmensanteilen, die sie an ihre Investoren, Mitarbeiter und Kunden ausgeben, um nicht nur einen ummauerten Garten zu schaffen, sondern einen ummauerten Garten, in dem jeder Weg eine Mautstelle hat, die nur ihre Münzen annimmt. Der Elefant im Raum, über den kein Risikokapitalgeber bei diesen Projekten sprechen will, ist, dass die Schaffung von privatem Geld, genau wie in der Ära des Wildcat Banking, eine Lizenz zum Gelddrucken ist, indem Märkte für diese Münzen/Noten mit massiven Positions- und Informationsasymmetrien geschaffen werden. Diese Art von privaten Geldsystemen ist heute genauso ausbeuterisch wie in den 1800er Jahren. Die sogenannte „web3“-Idee, diese Form der institutionalisierten Korruption als erstklassige Struktur in das Internet einzubetten, ist eine schreckliche Idee, die die Lehren der Geschichte ignoriert.

#4. Krypto-Assets sind nicht registrierte Wertpapiere.

Wenn wir das Krypto-Narrativ logisch dekonstruieren, indem wir den falschen Populismus und die sektenartige Struktur des Glaubens an wirtschaftliche Absurditäten über Bord werfen, kommen wir zu einer unausweichlichen Schlussfolgerung, die fest in unseren bestehenden Rechtsrahmen passt. Krypto-Vermögenswerte sind einfach nicht registrierte Wertpapiere von Unternehmen, deren erklärtes Ziel es ist, Technologien zu entwickeln, um digitale Wildcat-Banken zu werden. Sie haben lediglich ihre Unternehmensanteile und angeblichen Schuldscheine in einem Finanzprodukt zusammengeführt.

Kryptowährungen sind keine Währungen und haben keinen Mechanismus, jemals zu Währungen zu werden. Sie sind in Wirklichkeit unregulierte Wertpapiere, deren einziger Zweck die Preissteigerung ist, die nicht mit einer wirtschaftlichen Aktivität verbunden ist. Der einzige Anwendungsfall ist das Glücksspiel auf die zufälligen Preisschwankungen, wobei versucht wird, niedrig zu kaufen und hoch zu verkaufen und die Positionen für Gewinne in einer echten Währung wie Dollar oder Euro auszuzahlen. Kryptowährungen können jedoch kein echtes Geld schaffen oder vernichten, da es im Gegensatz zu Aktien kein Unternehmen gibt, das Einkommen generiert. Wenn du also deine Kryptowährung verkaufst und einen Gewinn in Dollar erzielst, dann nur, weil ein größerer Narr sie zu einem höheren Preis gekauft hat als du.

Jeder Dollar, der mit einer Kryptowährung gemacht wurde, enstand dadurch, dass ein späterer Investor diesen Dollar hineingesteckt hat.

Sie sind von Natur aus ein Nullsummenspiel, und wenn man berücksichtigt, dass das Casino (d.h. Börsen und Miner) einen Gewinn aus dem Spiel zieht, dann wird die gesamte Struktur zu einem reinen Negativsummenspiel. Für jeden Gewinner gibt es garantiert mehrere Verlierer. Es ist ein Spiel, das von Insidern manipuliert wird, indem sie die menschliche Psychologie hacken.

Damit Kryptowährungen einen echten Nutzen haben, muss sich die Volatilität abkühlen. Sollte dies geschehen, gäbe es für die Öffentlichkeit wenig Grund, mit Kryptowährungspreisen zu spekulieren, da das Potenzial für massive Renditen nicht mehr gegeben wäre. Das intelligente Geld zieht sich zurück, die Liquidität verschwindet und die Blase bricht zusammen. Dies ist das unausweichliche Schicksal aller Kryptowährungen, und wir sehen dies an der einfachen Tatsache, dass die durchschnittliche Rendite all dieser Tausenden von Eintagsfliegen gleich Null ist. Jede Kryptomünze ist auf einem zufälligen Weg zur Null nur über eine andere Route.

Die in diesem Artikel dargelegte Argumentation ist ein recht kompliziertes Gebilde und erfordert eine große Menge an Wissen an der Schnittstelle mehrerer Fachgebiete, die sich die Öffentlichkeit, offen gesagt, nicht aneignen sollte, um sich vor Betrug zu schützen. Öffentliches Geld sollte für die meisten Menschen einfach funktionieren, ohne dass sie sich um die Details kümmern müssen. Das ist der Punkt, an dem Kryptowährungen die Unwissenheit, den verzweifelten Glauben an technische Lösungen und die politischen Ressentiments der Öffentlichkeit anzapfen und für die Ziele dieser libertären Privatgeld-Scharlatane instrumentalisieren, um sich selbst zu bereichern. Diese Typen bauen kein neues Finanzsystem auf, sie stopfen nur ihre eigenen Taschen voll.

Die Geschichte wiederholt sich erst als Tragödie und dann als Farce. Die wilden wirtschaftlichen Schwankungen des Goldstandards von gestern sind der Dog-Meme-Wahn von heute.

Die menschliche Natur ist im Laufe der Jahrhunderte bemerkenswert unveränderlich, und wenn wir nicht die Lehren aus der Geschichte ziehen, sind wir dazu verdammt, die Fehler vergangener Generationen zu wiederholen.

Wenn wir dieses Mal viel Glück haben, dann enden Kryptowährungen einfach in einem Marktcrash und einer Reihe von progressiven New Deal-ähnlichen Reformen unseres Finanzsystems. Wenn wir Pech haben, beschleunigen sie die Ausbreitung eines Schattenfinanzsystems, das dazu dient, die ohnehin schon Reichen zu bereichern, die Vermögensungleichheit auf ein historisch beispielloses Niveau zu erhöhen, das Vertrauen in die Demokratie zu schwächen und die Flammen des Populismus weiter anzufachen. Diese Trends laufen letztlich darauf hinaus, das Schicksal der Menschheit den wilden Schwankungen von Marktmanien, charismatischen Demagogen und starken Männerfiguren zu überlassen, die versprechen, uns vor uns selbst zu retten. Und wir haben gesehen, wie diese Geschichte endet.


Dieser Text wurde mithilfe von deepl.com und manuellen Anpassungen übersetzt. Fehler oder Verbesserungsvorschläge könnt ihr mir gerne per Mail senden.